Es ist viel passiert –oder auch nicht…

Ein Monat ist nun seit meines letzten Artikels vergangen. In dieser Zeit ist viel passiert. Doch es hat sich nach wie vor wenig zum Positiven gewendet. Es fällt mir schwer, die Ereignisse zu sortieren… Ich versuche es der Reihe nach…

Nach der Kündigung seitens meines Vermieters habe ich zunächst versucht, Informationen zu bekommen, ob und wenn ja, wie ich dagegen vorgehen könnte. Ich beantragte Beratungshilfe beim Amtsgericht, nahm schon einmal Kontakt zu einem Anwalt auf und recherchierte selbst im Internet. Der Anwalt hatte keine Zeit und verwies mich an einen Kollegen. Meine Internetrecherche ergab, dass die Kündig sehr wahrscheinlich unwirksam ist, da mein Vermieter sie mit einem Eigenbedarf begründete, der eigentlich nicht vorliegt. Der zweite Anwalt machte mir dennoch wenig Hoffnung und riet mir zu dem Kompromiss, eine längere Frist auszuhandeln.

Ich vereinbarte ein Gespräch mit meinem Vermieter und bat zwei Mitbewohnerinnen hinzu, um sicherzugehen, dass das Gespräch nicht eskaliert. Der Vermieter zeigte sich wie immer kompromisslos. „Mich interessiert nur, dass Du so schnell wie möglich ausziehst!“
Ich setzte ihm eine klare Grenze und Widerspreche seiner Kündigung.
Die Mitbewohnerinnen erwiesen sich einmal mehr als enttäuschend. So finden sie es völlig akzeptabel, dass der Vermieter (der ja nun mal auch ihr Vermieter ist) unerlaubt meine persönlichen Unterlagen durchsucht, mich körperlich angreift, lügt, unseren Vertrag bricht…
Was ist das nur, dass Gruppen dazu bringt, Unrecht zu unterstützen indem sie lieber den ohnehin Bedrängten verantwortlich machen und nicht den eigentlichen Verursacher? Dieses Phänomen zieht sich ja leider durch unsere gesamte Gesellschaft, im Großen wie im Kleinen…

Mein eigener Geburtstag stand vor der Tür. Ich wollte diesen Tag in Ruhe und Frieden verbringen, Abstand gewinnen, ich brauchte Wind und frische Luft, nahm mir mein Zelt, etwas Geld vom Sparbuch und fuhr nach Dänemark.
Ich fand einen ganz einfachen Campingplatz, auf dem ich mein Zelt zwischen Hagebuttenbüschen direkt am Wasser aufbauen konnte. Nach zwei Tagen mit Blick auf die Ostsee und dem ständigen Klang von Wind und Wellen in meinen Ohren spürte ich wieder so etwas wie eine innere Ruhe, konnte meine Gedanken sortieren. Meinen Geburtstagsabend verbrachte ich mit zwei netten und fröhlichen Zeltnachbarinnen und gutem Wein am Strand. Nach zwei weiteren Tagen fuhr ich zurück.

Wieder zu Hause besuchte ich meine Eltern und meinen Bruder, Familienrat: Ich möchte es eigentlich nicht nutzen, doch ich bekomme die Sicherheit, dass ich bei meinen Eltern zur Not immer ein Dach über den Kopf finde. Was oder wo wäre ich bloß ohne das Sicherheitsnetz meiner Familie.

Ich ertrage es nicht mehr, mit Menschen in einer Wohngemeinschaft zu leben, die einmal meine Freunde waren und mich – selbst bei übelsten Konsequenzen für mich – auch entgegen unserer Vereinbarungen nur noch loswerden wollen.
Ich verabschiede mich endgültig von der Freundschaft, kündige nun von meiner Seite (ich habe laut Vertrag nur 1 Monat Frist) und packe meine Sachen. Dieses Arschloch soll nicht noch einen Monat länger Geld an mir verdienen.

In einem Telefonat mit dem Anwalt berichtet mir dieser, dass er von seinem Kollegen – der mich an ihn verwiesen hat – die Information bekommen hätte, dass das Amtsgericht die Beratungshilfe abgelehnt hätte…
Warum haben sie das abgelehnt? Als Hartz-IV-Empfänger habe ich doch zumindest Anspruch auf rechtliche Beratung? Und warum schicken die MIR keinen Bescheid???!!! Unfussable…

Ich frage beim Amtsgericht an und… bekomme keine Antwort…

Nun steht mein zusammengeschmolzenes Hab und Gut in Kartons verpackt in meinem Noch-Zimmer und wartet darauf, dass es bei meinem Bruder in die Garage gestellt wird. Meine Familie wohnt in einer anderen Stadt. Hier in meiner Stadt am Meer haben meine Eltern ein Segelboot, es ist Sommer, ich übernachte ein paar Nächte auf dem Boot, dann sehen wir weiter…

Was für ein Luxus, ich habe keine Ahnung, wie es weitergeht, wo ich ab September wohnen werde, ob ich endlich eine Arbeit finde und kann mich ein paar Nächte von den kleinen Wellen im Hafen in den Schlaf schaukeln lassen.

Vor gut zwei Wochen hat das Landessozialgericht über die Beschwerde (Revision) der Rentenversicherung entschieden. Die Rentenversicherung hat auch in der zweiten Instanz verloren und wurde verpflichtet, mir Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben zu gewähren. Sie hat noch nicht reagiert… Wieso den auch, sind ja erst zwei Wochen…

Die Wohnungssuche ist in dieser Phase völlig sinnlos. Bis Ende des Monats bekomme ich Leistungen vom Jobcenter. In unserem Landkreis im Umland zur Stadt gibt es keine günstigen Wohnungen, die das Umlandjobcenter genehmigen würde. Das Jobcenter in der Stadt hat einen Zuzug schon einmal abgelehnt und wird dem nun, wo das Urteil des Landessozialgerichts vorliegt, erst recht nicht zustimmen. Dies kann ich durchaus verstehen, ich habe selbst keine Lust, noch einmal 60 Seiten Hartz-IV-Antrag auszufüllen, wenn die Aussicht besteht, dass in vielleicht zwei weiteren Wochen ein Bescheid der Rentenversicherung in der Post ist.

Ich habe dennoch beim Jobcenter nachgefragt, ob sie angesichts der Differenzen mit meinem Vermieter Unterstützung bei der Wohnungssuche anbieten oder ob sie mir irgendeine Stelle nennen können, die im Falle eintretender Wohnungslosigkeit bei der Wohnungssuche unterstützt.
Das Jobcenter erklärt, dass es hierfür nicht zuständig sei, eine andere Stelle sei ihnen nicht bekannt (die Wohnungsämter bieten dies nicht mehr an). Ich erhalte lediglich noch einmal das „Merkblatt Umzug“, in dem steht, was ich dem Jobcenter mitzuteilen hätte, wenn ich denn eine Wohnung gefunden hätte.
Da wiehert er, der Amtsschimmel…
Die sogenannten ‚Sozial‘-behörden nehmen es also billigend in Kauf, dass Menschen wohnungslos werden. Sie sind halt nicht zuständig. Als ich vor gut 25 Jahren in meinen Beruf einstieg und selbst Betroffene betreut habe, war dies noch anders.
Armes Deutschland, was geht es uns doch gut…
Soziale Absicherung? Fehlanzeige, die gibt es praktisch nicht mehr.

Nächste Woche habe ich wieder ein Vorstellungsgespräch. Es geht um eine Stelle, auf die ich mich schon zweimal beworben hatte und die nicht besetzt wurde, weil kein geeigneter Bewerber gefunden werden konnte. Mein Profil passt wirklich zu hundertfünfzig Prozent, nur meine Schwerbehinderung passte wohl nicht so gut… Habe ich jetzt eine Chance mit dem Urteil des Landessozialgerichtes in der Hand, dass für eine Einstellung Arbeitgeberzuschüsse gezahlt werden müssen?

Es ist viel passiert, aber es hat sich wenig bewegt. Für die zweite Hälfte oder zum Ende dieses Monats bahnen sich Entscheidungen an.
Ich werde zwar nicht obdachlos, aber wohnungslos.
Wenn die Rentenversicherung mir aufgrund des Urteils nun endlich Leistungen bewilligt, habe ich ab Anfang September nichts mehr mit dem Jobcenter zu tun.
Wenn nicht, muss ich zu meinen Eltern ziehen und in der anderen Stadt erneut Leistungen beim Jobcenter beantragen.
Oder klappt es nun endlich einmal mit einer Bewerbung?

Was würde ich dafür geben, wieder eine Arbeit, ein Zuhause zu finden und ein halbwegs normales Leben zu führen.
Eine Sache würde ich dafür nicht hergeben, auch wenn ich so viel anderes verloren habe, meine Würde.

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