Wohnst Du noch…?

Was ist das eigentlich, wohnen? Was heißt zuhause sein?
Ein anderes (kleines) Problem am Rande.

Im Winter 2012/2013 entstand Schimmel in meiner damaligen Wohnung. Schimmel ist ja für alle Menschen gesundheitsgefährdend, für Menschen mit einem ohnehin beeinträchtigten Immunsystem erst recht. Ich hatte auch in meiner Wohnung erhebliche gesundheitliche Probleme.
Der Vermieter reagierte nicht, mietrechtlich hatte ich keine Chance und ich musste so schnell wie möglich etwas Neues finden. Im Krankengeldbezug ohne konkrete Perspektiven so gut wie unmöglich.

Ich bekam das Angebot von Freunden, in ein leeres Zimmer in einer Hausgemeinschaft zu ziehen. Ich war unheimlich dankbar. Es sollte nur vorübergehend sein, ich lagerte den größten Teil meiner Möbel und persönlichen Dinge ein und zog in das kleine Zimmer.
Leider wurden nicht alle gefragt – was ich nicht wusste – und es entstanden Konflikte um mein „Dort-Sein“.

Nach vielen Monaten konnten wir sie bereinigen. Es entstand für mich nach langer Zeit wieder ein Gefühl irgendwo zuhause zu sein.
Da meine Suche nach Arbeit und mein Kampf um Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben erfolglos blieben, hatte ich auch weiterhin keine Chance, eine neue Wohnung zu finden. Das ursprüngliche Provisorium wurde zum Dauerzustand.

Im September 2015 fragte ich, ob ich nicht auf unbestimmte Zeit bleiben könne. Ich löste das Lager mit meinen Möbeln und persönlichen Sachen auf, richtete mein Zimmer in der WG neu ein und verkaufte den Rest.
Es gab allerdings einen Haken. Mein Freund und Vermieter wollte das Mietverhältnis nicht offiziell begründen. Ich hatte weiterhin kein Vertrag und zahlte meine Miete bar.
Irgendwie fühlte ich mich nun doch nicht so zuhause, wie es sein sollte. Das Provisorium blieb, wenn auch mit eigenen Möbeln.

Im Januar 2016 entstanden neue Konflikte und ich wurde aufgefordert, auszuziehen. Ich wäre auch gerne ausgezogen. Ich sah mir diverse Wohnungen an, andere Wohngemeinschaften. Doch immer wenn die Frage aufkam, was ich beruflich mache und ich als Einkommensnachweis nur einen Krankengeld- oder ALG-Bescheid vorlegen konnte, war ich raus aus der Bewerberrunde.
Für einen Wohnberechtigungsschein, war mein ALG-1 etwas zu hoch. Ich war oder bin bei sämtlichen Wohnungsbaugenossenschaften in meiner Region gemeldet. Auch die nehmen keine Mieter mit so unklaren Perspektiven wie den meinen. Ich bekam und bekomme nicht ein einziges Angebot.

Meine nicht mehr so guten Freunde und Vermieter wollen mich gerne loswerden, möchten mich dann aber doch nicht auf die Straße setzen. Ist auch nicht so einfach, da auch mündliche Mietverträge nicht ohne Grund gekündigt werden können.
Nach einigen Monaten Streit hatten wir gerade einen Weg gefunden, wieder gut miteinander umzugehen.

Dann kam Hartz IV. Anders als bei den anderen Sozialleistungsträgern muss ich dem Job-Center einen Mietvertrag vorlegen oder mein Mietverhältnis zumindest durch eine Vermieterbescheinigung nachweisen. Damit tat sich mein nicht mehr so guter Freund und Vermieter besonders schwer, er hatte die Mieteinnahmen von mir nicht angegeben.
Wir einigten uns darauf, einen Vertrag zu machen. Die Miete sollte jetzt höher sein. Na gut. Und was las ich dann in dem mir vorgelegten Entwurf? Der Vermieter könne das Mietverhältnis jederzeit ohne Angabe von Gründen mit einer Frist von 3 Monaten kündigen.

Also Moment mal, habe ich das richtig gelesen? Nochmal im Zusammenhang: Wir streiten uns hin und wieder, ok. Wir reden noch miteinander, hatten einen Weg gefunden. Aber wenn die Konflikte wieder größer werden, wird sofort die verbale „Ich-will-dass-Du-ausziehst-Keule“ geschwungen.
Ich möchte auch gerne ausziehen. Ich weiß halt nicht wohin, ich bekomme keine Wohnung. Nun komme ich durch meinen Antrag beim Job-Center in eine noch größere Notlage und soll unterschreiben, dass ich jederzeit ohne Grund auf die Straße gesetzt werden kann? In meiner Notlage soll ich meinem Vermieter auch noch eine echte „Du-ziehst-jetzt-aus-Keule“ in die Hand geben, die er mir jederzeit um die Ohren hauen kann?

Nun ist er offiziell mein Vermieter, aber nicht mehr mein Freund.

Das sind so kleine Probleme am Rande, die eigentlich ganz große Probleme sind. Als Empfänger von Sozialleistungen hat man kaum eine Chance auf dem Wohnungsmarkt. Vor allem dann nicht, wenn man wie ich monate-, ja jahrelang zwischen den verschiedenen Sozialleistungsträgern hin- und hergeschoben wird. Ohne klare berufliche Perspektive gibt es auch kein Zuhause. Dabei braucht man ein gesichertes Zuhause, um wieder Fuß fassen und Perspektiven entwickeln zu können.
Mit so einer chronischen Erkrankung verliert man wirklich alles, seine Arbeit, sein Einkommen, sein Zuhause, Freunde,…
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will mich nicht als Opfer darstellen. Doch kommen Sie einmal in eine solche Situation, Sie werden erleben, dass dies einfach passiert. Auch wenn man noch so sehr dagegen kämpft, wenn man sich noch so sehr bemüht, es passiert einfach, nach und nach bricht alles weg. Sie halten und kitten links, dann bricht es rechts. Sie müssen in der Mitte löschen, dann bricht es links. Irgendwann stehen Sie vor dem Scherbenhaufen und haben weder Schaufel noch Besen.

Allen ‚Sozial’leistungsträgern und auch dem ‚Sozial’gericht sind diese Hintergründe bekannt. Ich habe mehrfach darauf hingewiesen, dass die Integration in Arbeit die Grundlage dafür ist, überhaupt wieder so etwas wie ein stabiles Lebensumfeld zu bekommen. Das interessiert in diesen Institutionen mit den zwei Silben „So-zial“ in ihrem Namen kein Schwein.

Hat jemand eine Wohnung für mich?

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2 Gedanken zu “Wohnst Du noch…?

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