Bei gleicher Eignung…

werden Menschen mit Behinderung bevorzugt berücksichtigt“ ist unter Stellenausschreibungen öffentlicher Arbeitgeber meist zu lesen.

In der ersten Hälfte des Jahres 2014 wurde ich nicht ein einziges Mal zu einem Verstellungsgespräch eingeladen. Nachdem ich die Gleichstellung mit einem schwerbehinderten Menschen hatte, nahm die Zahl der Einladungen langsam zu. Dennoch war es nicht sehr erfreulich.

Bisher bekam ich in Vorstellungsgesprächen Fragen gestellt wie
„Was würden Sie im Fall xy unternehmen?“,
„Wie bewerten Sie…?“,
„Was reizt Sie an dieser Aufgabe?“ oder
„Wo sehen Sie Sich in 10 Jahren?“

Nun fragte man mich:
„Glauben Sie denn, dass Sie für diese Aufgabe geeignet sind?“,
„Trauen Sie Sich das überhaupt zu?“ oder
„Meinen Sie, dass Sie ausreichend belastbar sind?“

Ich arbeite im Sozialwesen und bewerbe mich bei sozialen Einrichtungen, sozialen Verbänden oder Sozialverwaltungen. Man sollte meinen, dass diese Arbeitgeber eine Verpflichtung wie die Herstellung von Chancengleichheit ernst nehmen. Doch weit gefehlt.

Eine gesundheitliche Beeinträchtigung wie meine hat keine Auswirkungen auf meine Qualifikation und berufliche Leistung. Ich brauche ja lediglich ein Büro ohne Laserdruckern und Kopiergeräte.
Doch die Beeinträchtigung wird nicht verstanden, kann häufig nicht richtig eingeschätzt werden und ein Büro ohne Laserdrucker und Kopiergerät gibt es so gut wie gar nicht. Alles zusammen vermindert meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt enorm.

Die Verpflichtung zu einer bevorzugten Einstellung bei gleicher Eignung soll diesen Nachteil ausgleichen.
Die Kehrseite der Medaille ist: Wenn ein Arbeitgeber die ‚bevorzugte Einstellung‘ umgehen möchte, muss es einen besseren Bewerber geben. Und wenn es den nicht gibt, muss man mich schlechter machen als andere Bewerber. Und viele Arbeitgeber machen mich sogar meist schlechter, als ich bin.

Ich habe mich seit Anfang des Jahres 2012 bis heute bei fast allen Arbeitgebern meiner Region beworben, die in Frage kommen, bei allen kreisfreien Städten und Landkreisen der Region, bei allen sozialen Verbänden, bei allen größeren Trägern sozialer Einrichtungen. Ich habe zwei Jahre ein Netzwerkbüro geleitet und kenne daher sehr viele Organisationen und sie kennen mich.
Sie wollen mich alle nicht einstellen. Sie unterschieden sich nur darin, wie freundlich oder unfreundlich, wie milde oder rabiat Sie mich abqualifizierten.

Ich traf mich mit einem früheren Kollegen, um mit ihm darüber zu reden, welche Chancen und Möglichkeiten ich habe. Er arbeitet in einer leitenden Position in einer großen sozialen Einrichtung und wir haben ein vertrauensvolles Verhältnis zueinander.
Sein Fazit: „Man kennt und schätzt Dich in der Branche als engagierten und kompetenten Mitarbeiter. Nur haben viele auch von Deiner Erkrankung gehört. Du stehst auf einer Art schwarzen Liste, Du hast hier keine Chance.“

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