Schöner Wohnen mit Hartz IV

Wie ich schon berichtet hatte, ist meine Wohnung eher ein Provisorium als ein richtiges Zuhause (Wohnst Du noch?). Ich zahlte seit Januar 2014 meine Miete bar, hatte keinen Mietvertrag und konnte daher mein Mietverhältnis gegenüber dem Jobcenter nicht nachweisen. Nachdem es nach 8 Wochen Verhandlungen mit meinem Vermieter gelungen war, einen Mietvertrag abzuschließen, gab es dennoch Schwierigkeiten mit der Anerkennung des Mietverhältnisses durch das Jobcenter (Jobcenter at its best). Ich sollte einen Mietvertrag für die Zeit vor dem ALG-II-Bezug vorlegen, den ich ja nicht hatte. Aufgrund der schwierigen Verhandlungen mit meinem Vermieter hatte das Jobcenter zudem mitbekommen, dass der Vermieter mit dem neuen Vertrag die Miete erhöht hat. Er sollte die Erhöhung schriftlich begründen.

Weitere 3 Wochen Verhandlungen mit meinem Vermieter und dem Jobcenter standen an. Dabei erwies sich das Jobcenter entgegen meiner Erwartungen dann doch als das kleinere Problem. So war meine Wohnsituation vor dem ALG-II-Bezug ja bekannt, es gab lediglich ein Kommunikationsproblem zwischen der Antragsannahme und meiner Sachbearbeiterin.

Mein Vermieter sagte: „Kein Problem, ich schreib Dir etwas.“ Auf meine Nachfrage eine Woche später erhielt ich die Antwort: „Ist in Arbeit.“ Drei Tage vor dem Abgabetermin hatte er ein Problem mit seinem Drucker und zwei Tage vor dem Abgabetermin hielt ich dann ein Schreiben in der Hand, bei dem es schwer fiel, die Fassung zu bewahren. Er präsentierte einfach eine frei erfundene Geschichte, dass ich angeblich in ein größeres Zimmer gezogen sei und schmückte diese mit mehreren Unwahrheiten aus. Praktisch war alles gelogen, was in diesem Schreiben stand.

Oh man, wie sollte ich damit nun umgehen? Es gab doch gar keinen Grund, sich eine solche Geschichte auszudenken. So ein Lügenmärchen konnte ich unmöglich dem Jobcenter vorlegen, damit drohen Sanktionen wenn nicht gar ein Bußgeld wegen falscher Angaben. Sollte ich meinen Vermieter reinreißen und dem Jobcenter sagen, dass er mir nur eine erfundene Begründung gegeben hat?
Ich entschied mich dafür, dem Jobcenter zu sagen, dass ich nichts bekommen hätte, was ich hätte vorlegen könne (dies entspricht ja der Wahrheit), habe auf die schwierigen Verhandlungen über den Mietvertrag hingewiesen (die das Jobcenter ja aufgrund der verspäteten Vorlage des Vertrages mitbekommen hat) und habe gebeten, Rückfragen direkt an meinen Vermieter zu richten. Diesen habe ich darüber informiert und ihm gesagt, dass ich dem Jobcenter keine erfundene Geschichte präsentieren möchte und er dies – wenn er es möchte – in eigener Verantwortung machen müsse. Ich habe nicht geahnt, was ich damit auslöse:

Warum das denn nicht! Das ist ja lächerlich! Woher sollen die denn wissen, dass das nicht stimmt! Das können die doch gar nicht nachprüfen! Stell Dich nicht so an!
Dies ist nur eine Auswahl von dem, was ich mir anhören musste.
Nein“, sagte ich, „ich werde gegenüber dem Jobcenter keine falschen Angaben machen. Dafür würde ich zur Rechenschaft gezogen.“
Um es hier klar zu sagen: Ich war und bin gegenüber dem Jobcenter offen und ehrlich und kann dies auch nur jedem empfehlen.

Irgendwie bekam mein Vermieter wohl dann doch ein ungutes Gefühl und er sagt: „Dann gib mir das Schreiben zurück.“
Nein, warum denn?“, fragte ich spontan zurück. Ich hatte es nicht überlegt. Doch im Nachhinein denke ich, dass ich die Vorgänge doch nachweisen müsste, wenn das Jobcenter mir eine weitere Verzögerung anlastet.
Er sah mich an, grinste, sprang dann auf, rannte aus dem WG-Wohnzimmer, in dem wir das Gespräch führten und erschwerte mir das Folgen, indem er auf dem Weg alle Türen hinter sich schloss.
Ich ahnte übles und lief hinterher. Und richtig, ich fand ihn dann in meinem Zimmer, wo er die Dokumente auf meinem Schreibtisch in der Hoffnung durchsuchte, sein Lügen-Schreiben zu finden.
Verlass sofort mein Zimmer“, forderte ich ihn ruhig aber bestimmt auf.
Wo hast Du es, gib mir das Schreiben!“ schrie er.
Verlass sofort mein Zimmer“, forderte ich ihn etwas lauter auf. Ich beherrschte mich ruhig zu bleiben.
Dann ging er auf mich los, packte mich am Pullover, stieß mich auf mein Bett. Ich stand wieder auf, stellt mich vor ihn hin und sagte noch einmal bestimmter: „Verlass sofort mein Zimmer!
Er verlor nun völlig die Beherrschung. „Jetzt reicht’s!!!“ schrie er mit wutverzerrtem Gesicht. „Du ziehst jetzt sofort hier aus!!!“ Ich habe noch nie jemanden dermaßen ausrasten sehen. Er wollte ausholen, um mich zu schlagen, riss mit dem ausholenden Arm ein Bild von der Wand, strauchelte… dann stand glücklicherweise eine Mitbewohnerin in der Tür, die mir half, ihn aus meinem Zimmer zu drängen.
Er versuchte dann wieder hereinzukomme. Ich konnte die Tür zudrücken und den Schlüssel umdrehen. Diese Tür war bisher nie abgeschlossen und es verwirrte ihn merklich, dass sie nun zu war. In der folgenden Stunde ging er im Flur vor meinem Zimmer mehrfach hin- und her. Jedes Mal, wenn er an meiner Tür vorbeikam schlug er dagegen und rief „Du ziehst hier aus!“, „Na, suchst Du schon?!“, „Hast Du schon etwas gefunden?!
Es ist schon erstaunlich: Wenn ich mich weigere, beim Jobcenter falsche Angaben zu machen, ist das lächerlich. Wenn er die Verantwortung übernehmen soll, macht ihm das dermaßen Angst, dass er völlig die Kontrolle verliert.

Im Nachhinein erwies sich alles als unnötig. Da die erhöhte Miete unterhalb der erlaubten Obergrenzen liegt, erkannte das Jobcenter die Miete nach einem freundlichen Gespräch ohne weitere Begründung an. Es ist alles rechtmäßig und korrekt.

Doch ich brauche nun wirklich endlich eine neue Wohnung. Wie soll man unter solchen Rahmenbedingungen in einer WG zusammen wohnen?
Doch dies gestaltet sich schwierig. Ich fragte bei drei Wohnungsbaugenossenschaften an, bei denen ich ohnehin schon länger auf den Wartelisten stehe. „Das ich im Hartz-IV-Bezug sei, sei kein Problem“, sagte man mir bei zweien, „aber die Warteliste sei sehr lang, ich müsste schon mit einem Jahr Wartezeit rechnen.“ Eine Wohnungsbaugenossenschaft sagte, dass sie gar keine Wohnungen hätten, deren Miete unterhalb der Obergrenzen des Jobcenters liegen. Noch einmal zum nachdenken: Die Mieten sind im gemeinnützungen und geförderten Wohnungsbau so hoch, dass man eine solche Wohnung als Hartz-IV-Bezieher nicht bezahlen kann!
Tatsächlich gibt es kaum Wohnungen, die ich mit dem Hartz-IV-Satz bezahlen könnte. Meine in Wohnungsbörsen eingerichteten Suchagenten werfen vielleicht 4 bis 8 Angebote pro Monat aus. Bei mehr als der Hälfte dieser Wohnungen erhalte ich bei Anfragen die Aussage: „Wir vermieten nur an Berufstätige oder Studenten.“ Also selbst wenn eine Wohnung für einen Hartz-IV-Empfänger bezahlbar ist, hat man keine Chance, sie zu bekommen. Da nimmt man lieber Studenten, bei denen die Eltern bürgen. Komisch, die Miete vom Jobcenter ist doch sicher… Hartz-IV-Bezieher will man einfach nicht…
Bisher konnte ich mir zwei Wohnungen ansehen. Die eine gab es nur auf sechs Monate befristet. Dabei waren Treppenhaus und Keller sanierungsbedürftige Baustellen und der Vormieter hatte seinen Sperrmüll einfach in der Wohnung gelassen. Die andere war anscheinend seit den 70er Jahren nicht renoviert und verschimmelt.

Die Unversehrtheit der Wohnung ist eigentlich durch das Grundgesetz geschützt. Dies gilt aber wohl nur für Leute, die sich ein solches Grundrecht leisten können…

Suchen wird für mich so zum Lebensinhalt. Ich suche eine neue Arbeit und eine neue Wohnung. Ohne das eine, gibt es kaum eine Chance auf das andere, so drehe ich mich im Kreis. Hat jemand eine Wohnung?

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Ein Gedanke zu “Schöner Wohnen mit Hartz IV

  1. Pingback: Wohnungssuche mit Hartzen und Ösen | Unfussable

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