Stiefkind Umweltmedizin

Das große Problem der Umweltmedizin ist, dass ihre Möglichkeiten weitgehend unbekannt und ihre Diagnosen und Behandlungen von den anderen Disziplinen nicht anerkannt sind.

Umweltmedizinische Leistungen werden nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Dies hat zur Folge, dass man als gesetzlich Versicherter sämtliche Leistungen – von Arztgesprächen über Untersuchungen, Labormedizin und Diagnosen bis zu Medikamenten und Behandlungskosten – selbst bezahlen muss. Doch wer kann das schon?
Solange ich noch eine Arbeit hatte, habe ich dies getan und pro Jahr rund 5.000 € für umweltmedizinische Leistungen ausgegeben. Nachdem ich meine Arbeit verloren hatte, war dies nicht mehr möglich.

Dies hat auch zur Folge, dass gute und sinnvolle Behandlungen nur schwer zugänglich sind. Ein gut wirkendes Medikament – bei jeder Form immunologischer Unverträglichkeit oder sogenannter Chemikalien-Sensitivität – ist Glutathion. Dies ist eigentlich kein Medikament, sondern ein körpereigenes Hormon (bzw. ein Komplex aus drei Aminosäuren), welches bei Betroffenen nicht ausreichend vorhanden bzw. vom Körper nicht mehr in ausreichender Menge produziert wird. Es gibt Glutathion als Nahrungsergänzungsmittel. Doch in dieser Form ist die Wirkung sehr gering, weil der Körper es über Magen und Darm nicht aufnimmt, sondern abbaut. Am besten wirkt es, wenn es intravenös verabreicht wird. In dieser Form ist es in Deutschland nicht zugelassen. Mein Umweltmediziner bestellt es über eine benachbarte Apotheke in Italien.
Dies ist nur bei akuten Unverträglichkeitsreaktionen notwendig, kostet inklusive der Verabreichung 80 bis 100 € im Monat und es wirkt. Dies ist vergleichsweise günstig, wenn man die Folgekosten gegenüberstellt, die durch fehlende oder falsche Behandlungen entstehen.

Der Ausschluss umweltmedizinischer Leistungen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung hat weiterhin zur Folge, dass die überwiegende Zahl der niedergelassenen Mediziner schlicht keine Kenntnisse und Informationen über die Möglichkeiten umweltmedizinischer Diagnosen und Behandlungen hat.
Ich hatte in den vergangenen 8 Jahren mit diversen Ärzten zu tun. Alle haben meine Laborergebnisse und Diagnosen gesehen, doch nur zwei von Ihnen haben die Ergebnisse einordnen können (zwei Umweltmediziner) und nur ein weiterer hat sie als richtig akzeptiert (mein Hausarzt).

Institutionen wir Krankenversicherung und Rentenversicherung, die eigentlich Leistungen der Rehabilitation gewähren sollten, um die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit langfristig zu erhalten, erkennen alle umweltmedizinischen Diagnosen nicht an.
Die Rentenversicherung gibt Gutachtern, die für sie tätig werden, sogar die Empfehlung, „mögliche Schadstoffbelastungen als Ursache bzw. Auslöser der Krankheit […] auszuschließen und einer alleinigen Psychiatrie-Behandlung den Vorrang zu geben“ (Quelle: Dr. Hans-Ulrich Hill, Dr. Wolfgang Huber, Dr. Kurt E. Müller: Multiple Chemikalien-Sensitivität, Shaker Verlag, Aachen 2010 , Seite 27). Wer sich nicht an diese Empfehlung hält kann sicherlich davon ausgehen, von der Rentenversicherung zukünftig nicht mehr als Gutachter beauftragt zu werden.

Es gibt leider keine Daten zu den Folgen dieser Ausgrenzung der Umweltmedizin. Klar ist jedoch, dass die Betroffenen in der weit überwiegenden Zahl der Fälle falsch behandelt werden (Umweltmediziner und Toxikologen gehen von 90% falscher Diagnosen aus).
Gleichzeitig tauchen alle Betroffenem irgendwo im Gesundheitssystem auf und bekommen verschiedenste Leistungen, die allerdings nicht wirklich helfen.
Somit führt der Ausschluss von Leistungen der Umweltmedizin aus den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung zu Leid bei den Betroffenen und zu unnötigen Ausgaben an anderer Stelle.

Unfussable!

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Ein Gedanke zu “Stiefkind Umweltmedizin

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