Kampf und Tränen

Nachdem mir die Ablehnung von Unterstützung bei der Aufnahme einer Arbeit von Seiten der Rentenversicherung erst einmal den Boden unter den Füssen weggezogen hatte, schaltete ich wieder in den Kampfmodus um.

Ich legte erst einmal sofort Widerspruch ein, ging dann noch einmal in die Uni-Bibliothek, las die Kommentare zum SGB VI und SGB IX, fand neben den schon vorliegenden Gründen noch einen Punkt, an dem ich einhakten konnte. Ich fasste alles, was ich gefunden hatte in einem zweiten Schreiben zusammen und schickte das ein paar Tage später als Ergänzung meinem Widerspruch hinterher.
Dass nun das ganze Rechtsmittelverfahren, was beim letzten Mal drei Jahre gedauert hat, nun wieder von vorne beginnen sollte, trieb mir dabei so manches Mal die Tränen in die Augen, mal aus Wut, mal aus Traurigkeit und Erschöpfung.

Es ist ja immer noch ein Gerichtsverfahren gegen die Arbeitsagentur anhängig, welches klären soll, wer überhaupt zuständig ist, die Rentenversicherung oder die Arbeitsagentur. Das Sozialgericht hatte in diesem Verfahren eine Eilentscheidung abgelehnt, weil die Rentenversicherung mir die medizinische Reha angeboten hatte und danach über meinen Antrag auf Integrationshilfen entscheiden wollte.
Die Gründe für den Aufschub einer Entscheidung sind mit der Ablehnung der Rentenversicherung weggefallen. Deshalb habe ich parallel einen neuen Dringlichkeitsantrag im Verfahren gegen die Arbeitsagentur an das Sozialgericht gestellt.
Das Sozialgericht hat daraufhin ein paar Tage später die Rentenversicherung zu dem Verfahren gegen die Arbeitsagentur beigeladen. Sie ist, weil sie meinen Antrag auf Integrationshilfen abgelehnt hat, über den ja zuvor auch vor dem Sozialgericht verhandelt wurde, plötzlich wieder Beklagte. Das ist schon einmal gut, das erspart den befürchteten langjährigen Weg durch das Rechtsmittelverfahren und eine neue Klage. Vielleicht erhöht dies den Druck auf die Rentenversicherung, meinem Widerspruch stattzugeben?

Durch Zufall habe ich bei meinen Recherchen entdeckt, dass das Integrationsamt – als eine weitere Institution im Bereich der Integration von behinderten Menschen – die Möglichkeit hat, Integrationshilfen vorläufig zu übernehmen. Wenn das Integrationsamt in einem Fall zu der Einschätzung gelangt, dass Unterstützungsleistungen sinnvoll und notwendig sind, die Bewilligung durch den eigentlich zuständigen Kostenträger aber noch strittig ist, kann es in Vorleistung gehen. Dies nennt sich die „uneingeschränkte Vorleistungsbefugnis“ des Integrationsamts. Es kann sich die verauslagten Kosten in jedem Fall von dem eigentlich zuständigen Kostenträger wiederholen.
Man hat aber keinen Anspruch darauf, dies ist eine freiwillige Leistung des Integrationsamtes, die es nach eigenem Ermessen erbringen kann.
Ein Versuch kostet nichts und mir läuft die Zeit davon. Daher habe ich einen entsprechenden Antrag an das Integrationsamt gestellt.

Ich war nun gezwungen, einen Antrag auf Hartz-IV beim Job-Center zu stellen. Dies ist ein Wahnsinn, mit allen Unterlagen, die das Job-Center von mir verlangt, umfasst mein Antrag 60 Seiten. Ich brauchte mehrere Tage, alles zusammenzusuchen und auszufüllen.
Da ich ohne Mietvertrag wohne, hatte ich schon zwei oder drei Wochen zuvor mit meinem (ehemaligen) Freund und Vermieter Verhandlungen über einen Mietvertrag aufgenommen. Diese waren bis zur Antragstellung und sind auch jetzt noch nicht abgeschlossen, er lässt mich nach meinem Empfinden einfach auflaufen, um den Vertrag so durchzusetzen, wie er ihn will. Er lässt sich auf nicht einen einzigen Kompromiss ein. Ohne Einigung zahlt das Job-Center mir kein Geld und ich muss am Ende alle Kröten schlucken.

In Bezug auf eine Unterstützung bei der Suche nach Arbeit sagt das Job-Center wiederum: „Wir dürfen nichts tun, in ihrem Fall ist die Rentenversicherung zuständig und daher besteht für uns ein Leistungsverbot.“

Was für irre Wochen, Wut, Enttäuschung, Verzweiflung, Ängste um die Zukunft und darum überhaupt ein Dach über dem Kopf zu behalten wechseln sich ab. Mir ist zeitweise übel, ich kann nichts essen. Ich schlafe kaum oder wache mitten in der Nacht auf. Ich habe dann einen Gedanken zu einem meiner ganzen Probleme und schreibe ihn dann auf, um danach weiterschlafen zu können. Während ich kämpfe und schreibe, laufen mir manchmal plötzlich ohne Ankündigung Tränen aus den Augen. Und ich bin müde, total müde, aber mache einfach weiter.

„Es ist Sturm und zeitweise Landunter“, schreibe ich einer Freundin. „Als Segler weißt Du, dass Sturm vorübergeht, ich denk an Dich“, antwortet sie. Ich weiß dass Sturm vorübergeht und steuere weiter durch Wellen und Gischt.

Eine neue Stellenausschreibung fällt mir auf. Zwischendurch wird eine Bewerbung abgeschickt. Da kommt plötzlich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch auf eine Bewerbung, die schon vor einiger Zeit abgeschickt wurde.
Der Sturm ist noch nicht vorüber, ein Stück blauer Himmel zwischen den fliegenden Wolken?

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2 Gedanken zu “Kampf und Tränen

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